
Kostbares Kunterbunt, Angelika Deutsch
Manfred Buchinger muss man nicht erklären. Manfred Buchinger ist einfach.(Seit 43 Jahren Koch.)Seine "Alte Schule" ist ein buntes Reich an Besonderheiten, hier treibt er Regionales auf die Spitze und präsentiert, was in "seinem" Weinviertel in großem und kleinem Stil handgefertigt wird. Bei Buchinger ist nichts so wie sonst wo, er scheut jegliche Norm, flitzt von der Küche in den Schankraum und wieder zurück, lässt mit stets verschmitztem Lachen eine Flasche Wein bringen,jeder Vorschlag hat etwas vom Geist des Besonderen, nur Berührungsängste darf man nicht haben, wenn man hier Gast sein will. Im Schankraum versammeln sich alle. Mr. Galloway, der das Fleisch liefert, oder der Vater des jungen Winzers, der als Kellermeister für einen Großen zu wenig Zeit für die eigenen Weine hat. Die Handwerker, die einen langen Arbeitstag in einen langen Abend übergehen lassen, oder der Stammgast vom Dorf, der mit zunehmendem Alkoholpegel vertrauensselig wird. Aber das ist genau die richtige Stimmung für Buchingers Running Wenviertel,eine Menüfolge in kleinen Gängen, beliebig erweiterbar, ganz nach Lust des Küchenchefs, und was halt an diesem Tag grad frisch hereinkam und in der Laune des Augenblicks verarbeitet wird. Gegessen wird auf blanken Holztischen, das Besteck entnimmt man der blau geränderten Blechschüssel, die Weingläser sind hochklassig, das ist wichtig. Spalterbsenaufstrich zum Schwarzbrot und einen von der Gallowayleber, pfeffrig und würzig, dann die Sulz mit Mayonaise als Gruß, ales gut zum Hausbier. Der erste Biospargel, ungeschält, mit Morcheln, Verjus von Frau Öhlzelt und Rapsöl von Graf Hardegg, lauter Feinheiten, die ganz selbstverständlich sind und nicht groß inszeniert werden müssen, ein bisserl Schafgarbe verleiht zusätzlichen Kick. Vanillekraut mit Chips von roten Erdäpfeln, Räucherlachs und Apfel - kunterbunt, fröhlich wie jedes der Gerichte. Wenn der Andrang im Raum zu groß wird, serviert der Küchenchef auch selbst. "Dann wird's spannend", sagt er und bringt das Kokos-Chili-Beuschel mit Bohnen, Paprika und gebratenen Knödelscheiben, scharf und zart, denn da sind keine "Rheadln" drin, alles wird gezupft, sagt er. Und die Krebse, in diesem Regionalkonzept? Aus dem Schotterteich, als Suppe, mit wildem Kerbel, dick und füllig. Dazwischen noch eine Portion Biospargel in grün und weiß, mit Liebstöckel, ein Bratkartoffel dazu, dann Weinviertel pur, der gegrillte Karpfen mit Bärlauchsauce, Bärlauchgnocchi und Erdäpfel. "Eh nur in dem einen Gericht", sagt der Koch zur Bärlauchinvasionskritik. gebackenes Entenflügerl, inwendig ganz süß, mit gebratenen grünen Rapsspitzen von den mittlerweile honigsüß duftenden Feldern, dazu aus der Doppelmagnum ein Veltliner Hundsleiten 1998 vom Weingut Pfaffl, ja auch das gibt es hier. Und noch eine Scheibe Lamm, ganz frisch aus dem Rohr, rosig und saftig, nur Salz und Pfeffer und etwas Kardamom, eine dünne, dunkle Kruste drum herum, es genügt sich selbst. Die Käseauswahl ist so reif wie sonst kaum wo, Süßwein offen gibt's auch, Minkowitsch etwa. Eine süße Nachspeis muss auch sein, Nougatpofesen mit Schokolademarquise und Himbeersauce, schöne Bitterschokolade - wieder ein Grund, lokale Schnäpse zu probieren, gut, dass es in Fußweite gehörige Zimmer gibt! So eine Reise durchs kulinarische Weinviertel kostet auch nicht viel, die Preise sind scharf kalkuliert, vom offenen Hauswein bis zur "Weinviertler Bouteille", nicht zu reden von den Menüpreisen, das macht es - mit allem anderen - so kostbar.
Für die Herbstausgabe hat Manfred Buchinger passend zu den Weinen der Winzergruppe »Die Weinviertler-Premiumweingüter« ein Menü kreiiert.
Peter Moser schreibt: »Und schließlich muß man dafür Sorge tragen, daß das Land gastronomisch animiert wird [...]. Einer, Manfred Buchinger, ein gebürtiger Weinviertler, hat den Schritt gewagt. Er hat die ›Alte Schule‹ unweit von Wolkersdorf in ein Gasthaus verwandelt. Der Spitzen- und Haubenkoch, der lange Jahre im Hotel Intercontinental in Wien seit vielen Jahren verwöhnteste Klientel aus der ganzen Welt mit seinen kulinarischen Kreationen erfreute, kocht nun in der verbleibenden Zeit im Weinviertel für ein weit weniger mondänes, aber dafür ungleich dankbarerers Publikum auf. Die Produkte kommen aus der Region, das Weinviertel hat weiß Gott was zu bieten, daß einem Buchinger nicht fad wird – aber natürlich nicht nur, internationale Einsprengseln sind genauso erlaubt.«


